🏔️ Zwischen den Bergen – meine Zeit bei den Arlberger Bergbahnen AG

Ein Neuanfang am Tiefpunkt
Als ich 2016/2017 in einer persönlichen Krise steckte, wusste ich nicht mehr, wie es beruflich weitergehen sollte.
Ich hatte das Gefühl, wieder einmal gescheitert zu sein.
Privat – wegen meiner Beziehung.
Beruflich – weil ich meinen Traum von der Selbstständigkeit aufgeben musste.
Das Büro, das ich mir in Büchenbronn aufgebaut hatte, konnte ich nicht mehr halten. Ich musste raus.
Ende 2016 zog ich wieder zu meinen Eltern zurück.
Das war ein Moment, der wehgetan hat.
Nicht laut, nicht plötzlich – sondern eher so ein dumpfes Gefühl, das sich festsetzt und stetig einen penetriert.
Ich war ausgebrannt. Ich hatte kein Geld mehr, konnte nicht schlafen und war mental komplett am Boden.
Ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Gab es überhaupt noch eine Zukunft? Gab es noch irgendeine Perspektive für mich?
Und trotzdem war da dieser eine Gedanke:
Ich werde nicht einfach aufgeben. Niemals.
Die Entscheidung für Österreich
Ich suchte nach einem Job,
der mir zumindest ein bisschen Spaß macht. Etwas, das mir wieder ein eigenständiges Leben ermöglicht. Am besten mit Unterkunft.
Ich begann, meinen Lebenslauf zu überarbeiten – mit letzter Kraft. Es dauerte Wochen, bis alles fertig war.
Dann kam mir die Idee: Warum nicht nach Österreich gehen? In die Berge?
Frische Luft. Abstand. Bewegung. Vielleicht genau das, was ich brauche? Ich suchte gezielt nach Jobs mit Unterkunft weil ich aus meinem Elternhaus ziehen wollte, es war zu klein – und schrieb genau zwei Bewerbungen.
Kurz darauf kam die Rückmeldung. Ein Online-Vorstellungsgespräch folgte – und eine Woche später war ich schon vor Ort.
Ich konnte es kaum glauben.
Ich hatte wieder Arbeit. Ich konnte wieder Geld verdienen.
Und vor allem: Ich hatte wieder Hoffnung.

Der Job am Berg
Ich arbeitete als Seilbahnbediensteter und unterstützte das Team bei den täglichen Aufgaben.
Dazu gehörten:
- Schneeräumen
- Beobachten der Gäste
- Sicherstellen, dass niemand beim Liftbetrieb gefährdet wird
Wenn es zu gefährlichen Situationen kam, musste die Anlage sofort gestoppt werden.
Eine richtige Einarbeitung gab es nicht.
Es hieß einfach: machen, beobachten, lernen.
Ich war als Springer eingesetzt.
Das bedeutete, dass ich an verschiedenen Stationen am Berg gearbeitet habe.
Das war für mich ein großer Vorteil. Ich konnte viel sehen, viele Menschen kennenlernen und unterschiedliche Abläufe erleben.

Arbeiten, wo andere Urlaub machen
Was mich am meisten beeindruckt hat, war die Umgebung.
Die Berge.
Das Panorama.
Die frische Luft.
Es war kaum zu glauben, dass ich eine Woche vorher noch depressiv bei meinen Eltern saß – und jetzt hier oben stand.
Ein typischer Arbeitstag begann damit, dass ich mit der Bahn nach oben fuhr und von dort mit dem Snowboard weiter zur Station.
Dort wurde die Bahn vorbereitet:
- Sessel ausschieben
- Anlage prüfen
- Schnee räumen
- Zäune aufstellen
Gerade beim Ausschieben der Sessel war höchste Konzentration gefragt. Fehler konnten hier schnell zu Kollisionen führen.
An stark besuchten Tagen waren wir mehrere Personen an einer Station. Jeder musste genau wissen, was er tut.
Unsere Hauptaufgabe war es, die Gäste im Blick zu behalten und für Sicherheit zu sorgen.
Am Abend wurde die Anlage wieder vorbereitet für den nächsten Tag.

Die guten Seiten
Diese Zeit gehört für mich zu den schönsten beruflichen Erfahrungen, die ich gemacht habe.
Ich war draußen an der frischen Luft
Ich war aktiv und traf neue Menschen
Ich hatte eine kostenfrei Unterkunft
Ich konnte an freien Tagen snowboarden
Und ich hatte wieder Struktur im Alltag.
Vor allem aber hatte ich wieder Hoffnung. Ich konnte anfangen, meine Situation zu ordnen und nach vorne zu schauen.
Herausforderungen, die dazugehören
Natürlich war nicht alles einfach.
Ich hatte an meiner Station einen einheimischen Kollegen, mit dem die Zusammenarbeit schwierig war.
Er war direkt, streng und nicht besonders zugänglich – vor allem mir gegenüber als Deutscher.
Das war oft eine echte Herausforderung.
Ich musste viel schlucken und lernen, ruhig zu bleiben. Mit der Zeit habe ich aber verstanden, warum er so war.
Denn die Verantwortung in diesem Job ist nicht zu unterschätzen.
Wenn ein Unfall passiert, können wir als Mitarbeiter zur Rechenschaft gezogen werden. Im schlimmsten Fall sogar finanziell.
Und Unfälle passieren.
Gerade bei neuen Saisonkräften, die noch wenig Erfahrung haben.
Für die erfahrenen Mitarbeiter bedeutet das:
Jedes Jahr neue Leute einarbeiten. Immer wieder von vorne anfangen.
Das kostet Energie – und Nerven.
Was mir damals gefehlt hat, war eine strukturierte Einarbeitung.
Ein klares Onboarding hätte vieles einfacher gemacht – für alle Beteiligten.

Was ich gelernt habe
In dieser Zeit habe ich mehrere Dinge gelernt, die mich bis heute begleiten.
Vor allem habe ich gelernt, dass ich mich selbst wieder aufbauen kann – auch wenn ich komplett am Boden bin.
Ich war an einem Punkt, an dem ich nicht mehr weiter wusste.
Und trotzdem habe ich es geschafft, einen Weg zu finden.
Das hat mir gezeigt, dass ich stärker bin, als ich in diesem Moment gedacht habe.
Ich habe außerdem gelernt, dass man nicht immer alles perfekt planen muss. Manchmal reicht es, einfach loszugehen und den ersten Schritt zu machen.
Ich habe nur zwei Bewerbungen geschrieben – und trotzdem hat sich daraus eine neue Chance ergeben.
Der Job hat mir auch gezeigt, wie viel Verantwortung man in manchen Berufen trägt. Fehler können echte Konsequenzen haben – und das verändert die eigene Einstellung zur Arbeit.
Und ich habe gelernt, dass Menschen nicht immer einfach sind, aber oft ihre Gründe haben.

Mein Fazit
Würde ich diese Erfahrung wieder machen?
Ja – definitiv.
Diese Zeit war für mich mehr als nur ein Job.
Sie war ein Neustart.
Ich habe nicht nur gearbeitet, sondern auch wieder Hoffnung gefunden und Schritt für Schritt zurück ins Leben gefunden.
Es war nicht immer einfach – aber genau das hat diese Erfahrung so wertvoll gemacht.
Ich bin stärker aus dieser Zeit herausgegangen, als ich hineingegangen bin.
💬 Meine wichtigste Erkenntnis
Manchmal braucht es einfach einen Ortswechsel, um sich selbst wiederzufinden und wieder auf die Beine zu kommen.